Freitag, 26.05.06
Anreise und Stadtbesichtigung in Schleswig
Trotz des verregneten frühen Freitagmorgens war die Schar
der Wanderer froh gelaunt als sie mit dem Zug über Tübingen nach Stuttgart
fuhr. Alte Erinnerungen und die Frage, was bringt die letzte Etappe, wurden
lebhaft diskutiert.
Klaus hatte seine Mannschaft gut im Auge, als in Stuttgart der ICE mit
den reservierten Plätzen bestiegen wurde. Kurzweilig verliefen die 5 Stunden
Fahrt nach Hamburg mit Unterhaltung, Lesen, Vespern und Besuchen im
Speisewagen. Nur kurz war der Aufenthalt, der gerade zum Umsteigen in das für
uns reservierte Abteil des Regionalzuges in Richtung Flensburg reichte.
Der Höhepunkt war die Fahrt auf der Stelzenbrücke über den Nord-Ostsee-Kanal, von
der wir eine grandiose Aussicht auf das weite Land und den Kanal mit seinen
Schiffen genossen.
In Schleswig angekommen, hatte
sich das Wetter gebessert, als wir vom Bahnhof zu unserem Hotel wanderten.
Unser Gepäck holte der Wirt mit seinem Wagen ab.
Nach dem Zimmerbezug brauchten wir nach der langen Fahrt noch etwas Bewegung.
An der Schleiuferpromenade bummelten wir in die Altstadt. Zielstrebig gingen
wir auf die prächtige Backsteingotik Kirche, den St. Petri Dom zu. In seinem
Inneren faszinierte der geschnitzte Hochaltar im Chor, der mit unzähligen
Figuren ausgeschmückt war.
Unser Weg führte uns über den Marktplatz zu der historischen Fischersiedlung
Holm. Die kleinen Häuschen mit ihren schmucken Gärtchen und Rosenbäumchen
begeisterten uns.
Gemütlich ging es wieder zurück zum Hotel, denn jeder hatte nach dem langen
Tag nun Durst und Appetit auf Fisch.
Samstag, 27.05.06
1. Wandertag entlang der Ostseeküste
Am Samstagmorgen brachten uns 2 Taxibusse von Schleswig
nach Kiel-Strande, dem Punkt, an dem wir genau vor einem Jahr die 19. Etappe
beendeten. Es regnete mal wieder auf der ganzen Strecke. Aber gerade als wir
uns zu Fuß auf den Weg machten hörte es auf und wir konnten die Schirme
schnell wegstecken. Die Ostsee lag ganz ruhig und flach vor uns, kein Lüftchen
regte sich.
Am Bülker Leuchtturm verließen wir die Promenade an der Kieler Bucht und
wanderten abwechselnd am Sandstrand und über Wiesenwege über der Steilküste
der Ostsee entlang. Gelb leuchtende Rapsfelder, grüne Wiesen und das
blaugraue Meer bildeten eine ständig wechselnde Kulisse.
Pünktlich um 12:00 Uhr ereichten wir bei Dänisch-Nienhof am Strand das
Restaurant Seeschlösschen, in dem eine leckere Fischsuppe uns wieder Kraft
für den weiteren Teil der Wanderung gab.
Nach einem kurzen Regenschauer kam etwas Wind auf und das Wetter wurde
sonnig. Der weitere Weg entlang dem Ostseeufer wechselte ständig zwischen
Asphaltstraßen, Sandwegen am Strand und moorigen Waldwegen über der
Steilküste ab. Das alles ging uns mächtig in die Beine. So waren wir sehr
erleichtert, als wir gegen 17:30 Uhr nach 31 km Marsch unser Tagesziel
„Kiekut“ in der Eckernförder Bucht erreichten.
Die Taxen brachten uns wieder zurück zum Hotel nach Schleswig, wo inzwischen
auch Annemie und Eugen eingetroffen waren.
Der erste und anstrengende Wandertag der letzten Etappe ging zu Ende.
Eberhard Hauber
Sonntag, 28.05.06
Nach ausgiebigem Frühstück brachten uns die Taxibusse wieder zurück an
die Eckernförder Bucht zum reetgedeckten Gasthaus „Kiekut“ (bei uns im Süden würde es
wahrscheinlich „Zur schönen Aussicht“ oder sogar „Belvedere“ heißen).
Petrus war sich noch nicht völlig im Klaren, wie er mit uns umgehen sollte, hatte dann
schließlich aber doch ein Einsehen mit uns und ließ uns überwiegend trockenen Fußes,
wenn auch mit gewissen Schauereinlagen unseren Weg weitergehen.
Dieser führte uns entlang der Ostsee durch den Eckernförder Stadtteil Wilhelmstal über den
Kanal, der das Windebyer Noor mit der Ostsee verbindet.
Die Bezeichnung Noor kommt aus dem Dänischen, bedeutet Haff oder Bucht und bezeichnet ein
Gewässer, das von der offenen See nahezu abgetrennt ist.
Jenseits der Brücke ging es entlang eben dieses Windebyer Noors zum Dörfchen Kochendorf.
Von hier aus wendet sich der E1 wieder nach Süden, um in einem weiten Bogen durch den
Naturpark Hüttener Berge über Brekendorf und Lottorf sich schließlich wieder Richtung
Norden Schleswig zuzuwenden. Da dieser Weg für eine Etappe jedoch viel zu lang erschien,
entschied sich Klaus für eine Variante, die uns von Kochendorf direkt in Richtung Westen,
entlang der Schlei nach Schleswig führte.
Ob die Schlei ein Meeresarm oder ein Fluss ist, darüber streiten sich die Gelehrten,
jedenfalls erstreckt sie sich über 42 km von Schleswig über Kappeln bis zu ihrer Mündung
in die Ostsee bei Schleimünde. Die Schlei führt Brackwasser, eine Mischung aus Salz- und
Süßwasser, wodurch in ihr auch ganz besondere Fischarten leben.
Von Kochendorf wanderten wir also gutgelaunt Richtung Westen über Fleckeby nach Luisenlund, wo wir die Große Breite,
eben die große Verbreiterung der Schlei erreichten. Das Wasser lag nun nicht alleine vor
uns, auch von oben wurden wir nun begossen, so dass es wieder mal an der Zeit war, die
Schirme aufzuspannen oder die Regenumhänge anzulegen.
Mal direkt am Wasser, mal wieder etwas im Hinterland wanderten wir über Borgwedel und
Fahrdorf nach Haddeby. Bei Haddeby liegt am Haddebyer Noor die historische Wikingerstadt
Haithabu mit ihrem Wikingermuseum. Leider ließ es die Zeit nicht zu, dieses zu besuchen.
So erreichten wir gegen Abend unser Gasthaus „Gottorfer Hof“ am Stadtrand von Schleswig.
Nach einem ausgiebigen Abendessen waren die Strapazen des Tages vergessen und wir waren
schon gespannt, was der kommende Tag bringen würde.
Montag, 29.05.06
Heute hatten wir den Vorteil, direkt von unserem Hotel aus den Weg
unter die Füße nehmen zu können. Auch Petrus war wohl zu der Einsicht gelangt, dass er
uns den Norden doch von seiner schöneren Seite zeigen sollte.
So starteten wir also nach ausgiebigem Frühstück, überquerten die vielbefahrene Straße,
die den Stadtteil Friedrichsberg mit der Schleswiger Innenstadt verbindet, um gleich in
den Park des Schlosses Gottorf einzutauchen. Schloss Gottorf, das heute das Landesmuseum
verbindet, ist ein Wasserschloss.
Es ist zum Schutz gegen unliebsame Besucher ringsum von einem breiten Wassergraben umgeben
(Graben ist etwas untertrieben). In Anbetracht dessen, dass die üblicherweise in ihre
Rüstungen verpackten Angreifer in ihrer Schwimmfähigkeit deutlich eingeschränkt waren,
sicher keine schlechte Strategie.
Heute sind die Besucher allerdings willkommen, die Zugbrücken waren heruntergelassen und
so konnten wir ungehindert die Parkanlagen durchwandern und die weitläufigen Anlagen
bestaunen.
Direkt hinter dem Schlosspark wartete allerdings dann doch noch eine unliebsame Überraschung
auf uns. Plötzlich waren keine Wegmarkierungen mehr zu finden und es war nicht zu
klären, ob wir uns noch auf dem richtigen Weg befanden.
Klaus ordnete den Rückzug an, was nicht bei allen Zustimmung fand, sich schließlich aber
doch als richtig erwies. Im Zuge von Bauarbeiten für die kommende Gartenschau waren die
Markierungen verschwunden, schließlich war die Wegführung wieder gefunden und wir konnten
unsere Wanderung fortsetzen.
Vorbei an Lürschau erreichten wir
den Idstedter See, an dem entlang wir schließlich den Ort Idstedt erreichten.
Weiter ging es nun fast direkt nach Norden, das kleine Waldstück Elmholz nahe des
gleichnamigen Weilers zwang uns durch einen gewaltigen Schlenker es fast zweimal zu
durchwandern (wahrscheinlich, um es größer erscheinen zu lassen).
So kamen wir um die Mittagszeit nach Sieverstedt, wo wir am Ortsrand eine schönen Platz
zur Rast fanden. Was hier auffiel, waren zwei gewaltige Hörner, die in den Boden eingelassen
waren. Aus der zugehörigen Informationstafel erfuhren wir, dass wir uns auf dem Ochsenweg
befanden, einer uralten, noch aus der Bronzezeit stammenden Handelsstraße, die die
Handelsstädte an der Elbe mit dem dänischen Jütland verband.
Der Name Ochsenweg kommt daher, dass das Handelsgut Fleisch in diesen Zeiten eben als
Frischware auf den eigenen Beine befördert wurde. So konnten diese Tiere auf ihrem letzten
Gang wenigstens noch die Landschaft genießen. Natürlich blieb es nicht aus, dass der
Name des Weges auch auf unsere Tour und deren Teilnehmer umgedeutet wurde.
Nachdem sich alle gestärkt hatten, ging es weiter auf dem Ochsenweg über Süderschmedeby
(die Namen der Orte erinnern daran, dass diese Landschaft einmal zu Dänemark gehört hat,
wir werden in der Regel daran erinnert, wenn bei den Wahlen in Schleswig-Holstein von der
„Dänischen Minderheit“ die Rede ist).
Durch das Naturschutzgebiet Fröruper Berge führte unser Weg weiter nach Oeversee, einem
kleinen Ort oberhalb des Sankelmarker Sees. Die Lage des Ortes hat ihm offensichtlich auch
seinen Namen gegeben.
Interessant ist, dass sich in den Fröruper Bergen vor sie zum Naturschutzgebiet erklärt
wurden, die größten Kiesgruben und Steinbrüche des Landes befanden. Der Hindenburgdamm,
der die Insel Sylt mit dem Festland verbindet, wurde mit Steinen aus den Fröruper
Bergen gebaut.
Von Översee brachte uns der Bus zurück nach Schleswig, wo wir den Abend mit einem
gemütlichen Abendessen ausklingen ließen.
Dienstag, 30. 05.06
Heute durften wir den Weg, den wir am Vorabend mit dem Bus
zurückgekommen waren, noch einmal in umgekehrter Richtung befahren.
An der Bushaltestelle am „Historischen Krug“ in Översee erwarteten uns die Wanderfreunde
der DAV-Sektion Flensburg, die die letzte Etappe bis zur dänischen Grenze mit uns
zurücklegen wollten.
Nach kurzem Beschnuppern ging es hinunter zum Sankelmarker See, an diesem entlang um am
Ende des Sees „wieder die Höhe zu erklimmen“, wo sich das Denkmal an eine Schlacht im
Deutsch-Dänischen Krieg befindet, durch die der Ort eine gewisse Bekanntheit erlangt hat.
Am 6. Februar 1864 trafen hier die mit den Preußen verbündeten Österreicher vom 6. K.u.K.
Armeekorps auf die sich auf dem Rückzug befindlichen Dänen, wobei die Dänen schließlich
unterlagen.
Unsere Mitwanderer waren in diesen Dingen natürlich sehr bewandert, so dass sich Klaus
immer wieder genötigt sah, auf die Uhr zu sehen.
Dies wiederholte sich schon wenige hundert Meter weiter, wo ein gewaltiges Großsteingrab
aus der Jungsteinzeit (ca. 3.500 – 2.800 v. Chr.) zu besichtigen war.
Doch auch diese Hürde wurde genommen und der Weg führte weiter gen Flensburg.
Nun soll keiner sagen, dort oben im Norden sei alles eben: wir wurden eines Besseren
belehrt.
Flensburg liegt zwar an der Flensburger Förde, diese ist jedoch deutlich in das anliegende
Binnenland eingegraben, so dass die Stadt hauptsächlich am Hang beiderseits der Förde
liegt.
Die oben liegenden Stadtteile sind über Treppen mit dem Hafen verbinden.
An der Hafenpromenade konnten wir die dort vertäuten Schiffe bewundern, eine Vielzahl von
historischen Seglern, darunter die Dagmar Aaen, das Schiff, das Arvid Fuchs auf seiner
Expedition durch die Nordwestpassage benutzt hatte.
Auf der gegenüberliegenden Seite des Hafens liegt die Passat, das Schwesterschiff des
legendären Großseglers Pamir, der als Schulschiff 1957 im Atlantik gesunken ist. Die Passat
ist heute ein Museumsschiff und wird wohl nie mehr auf Fahrt gehen.
Leider ließ die Zeit eine Besichtigung dieser Legende nicht zu.
Nach einer ausgiebigen Stärkung in der schönen Gaststätte "Hansens Brauerei" am Hafen blies Klaus zum
Aufbruch zum letzten Teilstück der Tour.
Entlang der Flensburger Förde führte der Weg Richtung Kupfermühle, dem Ziel unserer Reise.
Von jenseits der Förde auf der Höhe über der Stadt grüßte der Gebäudekomplex des
Verkehrszentralregisters, was bei einigen vermutlich unangenehme Erinnerungen wachrief.
Am Ende der Förde unterquerten wir die Autobahn A7, nach Überwindung einiger Morastlöcher
kurz vor der Grenze gab es noch eine Verzögerung. Obwohl Klaus zur Eile drängte, da die
Vertreterin der Flensburger Zeitung am Grenzübergang wartete, musste natürlich für die
von Irmgard mitgebrachte Fahne noch ein geeigneter Fahnenmast gefunden werden.
Doch auch dieses Hindernis wurde letztendlich bewältigt und so erreichte die Gruppe
schließlich müde aber überglücklich den Punkt, den wir 12 Jahre lang fixiert hatten:
Kupfermühle, den Grenzübergang nach Dänemark.
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Eugen Schöller