Musikverein Balingen

Anfang des letzten Jahrhunderts

Auch musikalisch ging es unter Dirigent Dehner voran. Dehner gliederte dem Verein eine Abteilung für Streichmusik an und frühere Festschriften berichten von Erfolgen bei verschiedenen Wettbewerben. So war der Verein 1927 gefestigt genug, um vom 28. bis 30. Mai das 12. Gaumusikfest ausrichten zu können. Dass ein Verein nicht nur schmückendes, unpolitisches Beiwerk des städtischen Lebens ist, sondern dass sich in ihm auch der jeweilige Zeitgeist und die politischen Zwänge widerspiegeln, wurde am 8. Mai 1933 deutlich. Der national-sozialistischen Gleichschaltung der Vereine konnte auch der Musikverein Balingen nicht entgehen. Nach längerer Debatte, über die der "Volksfreund" am 10. Mai berichtete, bei der selbstverständlich auch Vertreter der NSDAP anwesend waren, trat der Verein geschlossen, wenn auch nicht wie gefordert der SA, so doch der NSDAP bei.

Knapp 10 Jahre durfte die 'Ortsgruppenkapelle' Pflegestätte deutscher Musik, vor allem der "wuchtig klingenden Marschweisen" sein (so Kreisleiter Kiener in der damaligen Sitzung). Der Krieg verschonte auch die Mitglieder der Kapelle nicht. Über die Hälfte der Aktiven musste den Verein verlassen, das Vereinsleben kam erneut zum Erliegen.

Bereits wenige Wochen nach Kriegsende, am 6.8.1945, stellte man jedoch einen Antrag auf Probengenehmigung. Unter dem Dirigenten Otto Sander, der 1939 die Nachfolge des erkrankten Friedrich Schwenk antrat, kam es 1946 bei einem Besuch Carlo Schmidts zum ersten größeren Auftritt nach dem Krieg. Wohltätigkeitskonzerte zugunsten der Kriegsgefangenen und Kriegsversehrten folgten. Als 1948 das Amt des Dirigenten an Wilhelm Langheinrich ging, begann für den Musikverein Balingen eine Zeit konstanten Aufstiegs bis hin zur damaligen Kunststufe. Als Höhepunkte seien stellvertretend das vom Verein 1950 ausgerichtete Stadtfest und die Teilnahme am Landesmusikfest in Aalen 1954, wo die Kapelle hervorragend abschnitt, genannt. Wie fruchtbar und erfreulich die Zusammenarbeit auch für den Dirigenten war, zeigt sich auch an der Tatsache, dass Langheinrich 1975, bereits als Pensionär, sich sofort bereit erklärte, den Musikverein Balingen an Stelle des erkrankten MD Eugen Altheimer zum Bundesmusikfest nach Ebingen zu führen. Auch danach blieb er bis zu seinem Tod eng mit dem Verein verbunden und 1982 hatten die Musiker die Ehre, die von ihm komponierte "Musik zu einem flämischen Puppenspiel" in einem Sonderkonzert in der Stadthalle uraufzuführen. Viele der noch heute Aktiven erinnern sich gern an Langheinrichs konzentrierte und doch humorvolle Probenarbeit. Doch wollen wir zum chronologischen Ablauf zurückkehren.