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Nun war allerdings auch vor hundert Jahren eine Stadt ohne Musikkapelle schwer vorstellbar. Stadtschultheiß Eisele und seine Gemeinderäte berieten daher am 14.1.1896, wie man die städtische Musik auffrischen könnte. Kaum zwei Wochen später hatten sich 16 Aktive gemeldet und im "Volksfreund" wurde die Bevölkerung zur (finanziellen) Unterstützung der Kapelle aufgerufen. Wie wichtig die Angelegenheit war, wird auch durch die Einstellung von Jakob Hermann aus Waldstetten als Musikdirektor deutlich. Hermann bekleidete dieses Amt bis 1909. Allerdings war die Zahl der Aktiven bis 1908 wieder auf 12 geschrumpft und so musste gehandelt werden, wollte man die drohende Auflösung verhindern.
Stadtschultheiß Hofmann riet deshalb am 1.2.1908 im "Volksfreund" zur Gründung eines Vereins (im heutigen Sinne) auf. Bei der Gründungsversammlung am 6. Mai übernahm Hofmann den Vereinsvorsitz und über 250 (!!!) Bürger traten dem Verein bei (man bedenke, dass Balingen damals knapp 4000 Einwohner hatte). Weitere aktive Musiker kamen hinzu und durch die Auflösung des Salonorchesters 1909 erhielt die Kapelle erneut Verstärkung. Man hatte sicher ehrgeizige Ziele. 1910 erfolgte ein Dirigentenwechsel und 1913 konnte mit Ernst Hinze aus Pforzheim ein früherer Musikunteroffizier, also ein Berufsmusiker, für das Amt des Dirigenten gewonnen werden. Die positive Entwicklung wurde aber durch den 1. Weltkrieg unterbrochen. Das Vereinsleben kam zum Erliegen.
Die Jahre nach dem 1. Weltkrieg scheinen ebenfalls schwierig gewesen zu sein. Offensichtlich begann erst 1921 eine kontinuierliche musikalische Arbeit unter dem neuen Dirigenten Ferdinand Dehner aus Thanheim. Für ihn muss es ein Anliegen gewesen sein, junge Musiker auszubilden. Der langjährige Klarinettist, Vorstand und Ehrenvorstand Rudolf Staiger berichtete immer, dass er und andere Jugendliche zu Fuß nach Thanheim gegangen seien, um dort Unterricht zu erhalten. Auch von einem der ersten Wertungsspiele nach dem Kriege wusste Staiger zu berichten, das die damaligen Schwierigkeiten charakterisiert. In der Beurteilung habe sinngemäß gestanden: "Stimmung unerträglich! Die Kapelle steckt noch zu sehr in den Kinderschuhen." Als 1924 der Malermeister Eugen Speidel den Vereinsvorsitz übernahm, hatte sich offensichtlich die Situation gebessert. Das Amt des Vorsitzenden hatte Speidel 10 Jahre inne, und als er zurücktrat, wurde er für seine engagierte und erfolgreiche Arbeit zum Ehrenvorstand ernannt. In Speidels Amtszeit fällt auch die erste Anschaffung von Uniformen als Äußeres der Zusammengehörigkeit.
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Der Anfang Anfang des letzten Jahrhunderts
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